Seinen ersten Job bekam Van Dyke Parks von MGM, um für Walt Disney-Filme Soundtracks zu komponieren. Hatte 1965 mit seiner Rock-Version von Beethovens „Ode an die Freude“ in Arizona einen lokalen Hit (Stephan Stills war in der Band), spielte in kalifornischen Kaffehäusern schräge Eigenkompositionen in denen er Mahler und die Andrew Sisters vermischte. Das bekam Brian Wilson mit und engagierte den genialischen Arrangeur für manche Lyrics und Soundideen die den Beach Boys nach deren Surfpopkarriere neuen Schwung geben sollten. So textete Parks z.B. „Heroes And Villains“ oder „Surf’s Up“ und arbeitete eng am Konzeptalbum „Smile“ mit. Doch seine oft surrealen Texte kamen besonders beim Sänger Mike Love nicht gut an und der verhinderte dann auch die damalige Veröffentlichung von „Smile“ (inzwischen ist es erschienen). Dann erhielt er das Angebot bei den Byrds einzusteigen, aber die Aussicht auf tobenden Fans liessen den eher schüchternen Van Dyke Parks davor zurückschrecken. Da entdeckte der eigenwillige Alleskönner, der Kurt Weill vom Mississippi, dann schon lieber neue Talente wie Tim Buckley, Judy Collins, Beau Brummels und Harper’s Bizarre. Vielleicht weniger bekannt ist, dass der aus wohlhabenden Haus kommende Parks auch als Schauspieler aktiv war, mit Grace Kelly drehte und in einer Heidi-Verfilmung den Peter spielte. In den frühen Siebzigern kooperierte er mit den gerade entstandenen Little Feat und nahm mit Haruomi Hosono’s Nippon-Westcoastband Happy End ihr gleichnamiges großartiges drittes Album auf.
Bereits einige Jahre zuvor, 1968, war bei Warner Records Van Dyke Parks eigenes Debüt Song Cycle (*) erschienen. Doch die Verantwortlichen bei Warner konnten mit dieser Platte nichts anfangen, sie fanden darauf keine Songs und überhaupt alles eigenartig. Dafür gab es haufenweise Ideen, Skizzen, Fragmente, bei denen sich Folk mit Swing, Country und Calypso vermischen, Bläser mit Streichern streiten, sich Banjo und Akkordeon umarmen, Harfen die Engel von den Wolken vertreiben und krude hohe Gesänge den Kopf verwirrten. Angeblich inspirierten ihn Warhols Suppendosen dazu. Anders als der New Yorker hatte Parks mit seinem Album keinerlei Erfolg beim Publikum, doch die Kritik war ob des gigantischen Klangkosmos, der wie betrunken taumelnden Melodien begeistert, schrieb, dass es „die bedeutendste Konzeption amerikanischer Musik seit George Gershwin“ sei. Damals ein Flop wurde es bald für einen Cent verkauft. Heute wird Van Dyke Parks für dieses psychedelische Countryalbum auf dem er den Individualismus feiert verehrt. Er selbst sagt inzwischen über „Song Cycle“: „Ich habe da jeden erdenklichen Fehler gemacht, aber wenigstens gelernt, was man in einem Tonstudio machen kann.“
Auch mit seinem zweiten, drei Jahre später veröffentlichten Album Discover America (*) verweigerte sich Parks jeglicher Kompromisse, verfolgte weiter konsequent seine Konzepte. Allerdings gab es nun einen deutlichen Schwerpunkt. Hier lag ihm die Musik kultureller Minoritäten am Herzen, die von der sogenannten „zivilisierten“ Welt missachtet wurde – Van Dyke Parks Version der Panamericana-Idee. So hört man ganz viel Musik der westindischen Inseln wie Calypso oder Spuren von Reggae. Die aussergewöhnlich schönen, liebevollen Arrangements scheinen zu schweben, man fühlt sich in die sonnige Karibik versetzt. Immer sind es mit Steel Drums und Orchester inklusive Streichergruppe üppig gestaltete Coverversionen, z.B. von Allen Toussaint, Lowell George, Lord Kitchener, John Philip Sousa und Mighty Sparrow, die von Parks neue Texte erhielten, in denen er sich genüsslich über US-Legenden wie Bing Crosby, Jack Palance, den Mills Brothers oder J. Edgar Hoover ausließ.
Seine vielleicht eingängigste Schöpfung aus den Siebzigern ist zweifellos Clang of the Yankee Reaper (*) (1975). Gleich die eröffnende Titelnummer streichelt die Seele, nun zeigt sich Van Dyke Parks überraschend von seiner populären Seite, tänzelt fast in Richtung Hit. Doch von plumper Kommerzialität war auch diese listige Platte damals weit entfernt. Dazu legte der unangepasste Kalifornier einfach zu viel Sorgfalt in seine ambitionierte, manchmal dramatische Songgestaltung, scherte sich dabei nie um den Zeitgeschmack. Bei Van Dyke Parks war sich der normale Rock-Hörer eben nie sicher, ob der es ernst oder ironisch meint. Doch profilierte Musiker rissen sich darum, auf einer LP von Parks mitspielen zu dürfen, hier sind es Jesse Ed Davis, Klaus Voorman und wie bei „Discover“ die Esso Trinidad Steel Band. Charmant ist auch wieder die eher dünne helle Stimme, mit der Parks enthusiastisch und lauthals seine Texte intoniert. Doch ihre Limitierung mag für ihn selbst ein Problem gewesen sein und so engagierte er bei späteren Produktionen wie „Tokyo Rose“ andere Sänger.
Da die siechende Plattenindustrie heute kein Geld mehr in solche Randgruppenmusik steckt, zog Van Dyke Parks die Konsequenz, gründete sein eigenes Label Bananastan Records und bringt seine Musik auf originelle passende Art als Vinyl-Singles unter die Fans: www.bananastan.com
(Bella Union/ Cooperative Music)


