In den Neunzigern drehten sich Pizzicato Five’s quirlige Burt Bacharach meets Club Music-Cut & Paste-Songs auf den Plattentellern hipper Clubs von Tokyo über New York bis Berlin. Mit ihrem Sixties-Schick und verführerischen Dancefloor-Grooves waren sie damals globaler Trendsetter bald vielen Epigonen.
2001 beendete Yasuharu Konishi, der Gründer von Pizzicato Five, diese Epoche und verlegte sich auf die Produktion anderer Bands und Sänger oder trat gelegentlich als Remixer und DJ in Erscheinung.
Nun packte Konishi die Lust, mal wieder unter eigenem Namen Musik zu veröffentlichen. „One and Ten Very Sad Songs“ (*) heisst das Ergebnis, für das Konishi so außergewöhnliche Sänger wie Marlena Shaw, Marcos Valle, Nicole Willis und Eric Matthews begeistern konnte. „Das Album basiert auf der Idee, Künstler die nicht aus Japan stammen englische Lieder singen zu lassen. Ich nahm an, dass niemand reagiert, wenn ich den Sängern Emails lediglich unter meinem Namen Yasuharu Konishi schicken würde. Also erwähnte ich darin Pizzicato Five und tatsächlich stellte sich heraus, dass alle Pizzicato Five kannten,“ wundert sich Konishi.
Zu Pizzicato One war es dann ein logischer Schritt, schließlich verantwortet Konishi das Album allein.
Seine bevorzugte musikalische Ära scheinen auch hier weiterhin die swingenden Sechziger zu sein. Davon ließ er sich, für die auf seinem eigenen Readymade Internationl Label erschienene „One And Ten…“, reichlich inspirieren. Bis auf die von Marcos Valle gesprochene Eröffnungsnummer gibt es ausnahmslos Interpretationen umwerfender Hochkaräter von Harry Nilsson, Sonny Bono, Quincy Jones, Luiz Bonfa oder John Lennon zu hören. „Also, erst einmal zieht mich die Musik der Sechziger an, weil sie so geschmeidig ist und leicht ins Ohr geht“, beginnt Konishi seine Reflektion. „Zu der Zeit, als ich mit dem Soloalbum beginnen wollte, wählte ich für eine Party u.a. eine 7“ Single aus den 60ern aus. Beim Anhören konzentrierte ich mich auf die Lyrics von Bert Russell’s „A Little Bit Of Soap“, und in dem Moment beschloss ich, ein Album zu machen, das aus lauter Liedern mit ebenso großartigen Texten bestehen sollte.“
Alle Stücke arrangierte Konishi in seinem extravaganten Stil, ließ sie neu einspielen und singen. Als kleine Sensation kann dabei gewertet werden, dass es dem Japaner gelang, mit Roger Nichols eine Legende und einen seiner musikalischen Helden für diese Projekt zu gewinnen. Der singt nun mit den Small Circle Of Friends wundervoll humorvoll das verzweifelte „Suicide Is Painless“ aus dem „Mash“-Soundtrack. „Ich war immer der Meinung, dass der Tod ein Thema ist, das einer fröhlichen Melodie Würze verleihen kann“, erklärt Konishi mit einem listigen Augenzwinkern.
Text: Olaf Maikopf
Pizzicato One – One and Ten Very Sad Songs
